ODEM
Romanischer Sommer Köln 2026
In der alttestamentarischen „Genesis“ heißt es: „Da machte Gott der HERR den Menschen aus Staub von der Erde und blies ihm den Odem des Lebens in seine Nase.“ Der Schöpfer haucht Bein und Fleisch seinen Lebensatem ein und macht es dadurch zum lebendigen Wesen. Das Wort „Odem“ stammt vom Mittelhochdeutschen „ātum“, dem Altsächsischen „āðom“ und Mittelniederländischen „ādem“. Es meint so viel wie Luft, Hauch, Atem und Seele. Odem hat daher
ebenso kreatürliche wie theologische Bedeutung. Denn nur was atmet, das lebt. Und alles was lebt, ist beseelt. Und „Alles was Odem hat, lobe den Herrn!“ Das bekannte Kirchenlied nach Psalm 150 preist den lebensspendenden Atem Gottes. Ebenso tun es zahlreiche spätere Adaptionen bis hin zu Mendelssohns Vokalsinfonie „Lobgesang“, Stockhausen Orchesterwerk „Atem gibt das Leben“ und darüber hinaus.
Weil auch Musik Menschen und Räume belebt, ist sie seit Jahrtausenden Bestandteil von Mythen und Riten vieler Kulturen und Regionen. Im alten Ägypten wurde die Welt durch die singende Sonne im Schrei ihres Lichts erschaffen. Der hinduistische Schöpfergott Prajapati manifestiert sich selber als ein ewig singender Hymnus, von dem drei mystische Silben zu Himmel, Meer und Erde wurden. Das Sanskritwort „Anâhata“ bezeichnet jenen primordialen Klang, aus dem die Welt entstand und der sie immer noch durchzieht und erspürt werden kann. Der altchinesische Daoismus und die Sphärenharmonie der griechischen Antike erkannten im Klang jene ordnende Kraft, die das anfängliche Chaos zu Leben und Geist verwandelte. Und die moderne Astrophysik versucht mit
Radioteleskopen eben jene Schallwellen zu erlauschen, die vor knapp 14 Milliarden Jahren der Urknall in das seither immer schneller sich ausdehnende Universum schickte.
Durch den Atem sind Körper und Geist verknüpft. Indem wir heftiger atmen, erhält unser Gehirn mehr Sauerstoff, und indem wir uns gedanklich erhitzen, geht auch unser Atem schneller. Luft ist gleichermaßen Lebenselixier von Mensch wie von Musik. Der einst Adam eingeblasene Odem
strömt beim Singen wieder heraus und versetzt Stimmbänder, Körper, Orte und andere Menschen in Schwingung. Chöre und Blasinstrumente erschallen, Saiten- und Schlaginstrumente lassen die Luft erzittern, Orgeln schicken ihren Wind durch tausend Pfeifen. Seit 1988 findet all dieser bewegte Atem beim ROMANISCHEN SOMMER KÖLN Widerhall in der einzigartigen Architektur und Akustik der zwölf romanischen Kirchen der Stadt. Renommierte Kölner und internationale Ensembles, Solistinnen und Musiker spielen in diesen wunderbaren Bauwerken Musik verschiedener Epochen, Weltgegenden, Kulturen, Religionen, Sparten und Stilistiken vom Mittelalter über Barock, Klassik und Romantik zu Moderne, Jazz, Klanginstallation, Improvisierter, Neuer, Elektronischer und Globaler Musik. Ob himmlisch oder weltlich, alle Musik hat Atem, Zeit, Raum und Resonanz.
Rainer Nonnenmann
Konzerte am Sonntag, 07. Juni 2026
Konzerte am Dienstag, 09. Juni 2026
Konzerte am Mittwoch, 10. Juni 2026
Konzerte am Donnerstag, 11. Juni 2026
Romanische Nacht am Freitag, 12. Juni 2026
Veranstaltungsorte → U-Bahn-Haltestellen
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