
Sanctus, sanctus… Heilig, heilig, ist der Herr Zebaoth. Heilig sind auch die ihn umgebenden Scharen der Engel, Kirchenväter, Märtyrer und Märtyrerinnen. Zu Lebzeiten hatten sie mit ganzer Seele nach Gott gestrebt und durch die Spuren ihrer Erdentage auch in die diesseitige Welt einen Abglanz Gottes fallen lassen. Die Verehrung all dieser Heiligen hat über Jahrhunderte hinweg einen eigenen Kosmos herausgebildet, mit sakralen Gedächtnis- und Pilgerstätten, Kirchen, Ikonen, Ritualen, Devotionalien und zahllosen Zeugnissen aus Kunst, Literatur und Musik.
Die Legenden dieser Auserwählten erzählen von unterschiedlichsten Schicksalen, Tugenden, Stigmata, Obsessionen, Verfehlungen, Perversionen, Gesichten, Wundertaten, Mirakeln… Die Fülle ihres Motiv- und Figurenschatzes nimmt es spielend auf mit den polytheistischen Götterwelten, Märchen und Sagen der Völker. Oft handelt es sich um lokale, standes- oder berufsgebundene Heilige, die den Volksglauben einst nachhaltig bestimmten und im Mittelalter jeden dritten Tag einen Feiertag nötig machten, während sie heute oft nur noch als Folklore erscheinen. Tag für Tag führt der Immerwährende Heiligenkalender durch das Kirchenjahr mit einer Unmenge an Patronen, Fürbitter und Mittler, zu deren Lob und Preis selbstverständlich zu allen Zeiten Musik erklang.
Das Festival ROMANISCHE SOMMER präsentiert 2011 Musik von und zu Heiligen. Nicht fehlen dürfen in Köln die Heilige Ursula und der Heilige Karl der Große, dem die Stadt die Ernennung ihres ersten Erzbischofs Hildebold verdankt. Obligatorisch sind auch König Salomon und Sancta Cecilia als Schutzpatronin der Musik. Neben dem rheinischen Katholiken Karlheinz Stockhausen sind mit Sofia Gubaidulina und Galina Ustwolskaya auch zwei Komponistinnen des russisch-orthodoxen Bekenntnisses vertreten. Volkstümliche sardische Weisen geben einen Eindruck von den ältesten bis heute gepflegten polyphonen Gesängen des Abendlands. Und selbstverständlich gibt es Manifestationen des Heiligen auch in scheinbar säkularen Werken, wie im „Himmlischen Leben“ von Gustav Mahlers 4. Symphonie, sowie in anderen Religionen und Kulturkreisen, etwa in zenbuddhistischen Liedern eines japanischen Mönchschors. Dabei ist jede Musik mit der Hoffnung verbunden, sie möge in der Nachfolge der Religionsstifter und Heiligen ihrerseits etwas zur Heiligung der Welt und unseres Lebens beitragen, und sei es nur für den flüchtigen Moment ihres Erklingens.
Rainer Nonnenmann
Die Faszination der romanischen Kirchenräume und auch die besondere Lage im städtebaulichen Ensemble von Köln prägen seit mehr als 20 Jahren das Programm des Romanischen Sommers, das sich bewusst außerhalb des üblichen Konzertbetriebs definiert. Das Aufbrechen traditioneller Zuhöreranordnungen und Wahrnehmungsweisen ist ebenso Anliegen wie sehr verschiedenartige Programmteile in einen klingenden Zusammenhang zu bringen.
Ab Mittwoch, dem 6. Juli, führen die Konzerte des Romanischen Sommers das Publikum in die Romanischen Kirchen Kölns.
In der größten der romanischen Kirchen, in der Basilika St. Maria im Kapitol, ist die "Romanische Nacht" am Freitag, 8. Juli gleichzeitig Höhepunkt und Finale des mehrtägigen Festivals.
Hier sind alle Programmteile dramaturgisch sorgfältig aufeinander abgestimmt. Unter dem Festivalthema "Heilige" entspinnt sich der inhaltliche Rote Faden und webt sich durch die lange Konzertnacht. Uralte Formen europäischer Polyphonie begegnen moderner Musik, Orchesterformationen bilden einen reizvollen Kontrast zum Bajan, a-cappella-Werke stehen neben Chorgesang.
Nähere Informationen zu den Romanischen Kirchen Kölns finden Sie unter: www.romanische-kirchen-koeln.de
