Romanischer Sommer 2008

»...dem Geheimnis de Lebens einen Klang geben...«

20 Jahre Romanischer Sommer

Seit nunmehr 20 Jahren wandern Musikfreunde zur Sommerzeit durch Köln, um ein Musikfest in den wunderbar restaurierten romanischen Kirchen der Stadt zu erleben. Die Faszination der Räume und auch die besondere Lage im städtebaulichen Ensemble von Köln prägen das Programm des „Romanischen Sommers”, das sich bewusst außerhalb des üblichen Konzertbetriebs definiert. Das Aufbrechen traditioneller Zuhöreranordnungen und Wahrnehmungsweisen ist ebenso Markenzeichen wie das Anliegen, sehr verschiedenartige Programmteile in einen klingenden Zusammenhang zu bringen, ohne einem billigen „crossover” zu erliegen. Das geistliche Werk im weitesten Sinn bleibt eigentlicher und  zugleich offener Bezug.

In diesem Sinn ist die Romanische Nacht nicht nur Höhepunkt und Finale des Festivals, sondern das eigentliche Herzstück im Romanischen Sommer. In der Kult verdächtigen langen Nacht in der größten der romanischen Kirchen, in der Basilika St. Maria im Kapitol, sind alle Aspekte des Musikfestes in einem dramaturgisch sorgfältig aufeinander abgestimmten Ablauf gebündelt zu erleben – bekannte, aber auch neu geschaffene oder wieder entdeckte Musik aus der uns vertrauten westlichen Musiktradition im Dialog mit Musik aus anderen Kulturkreisen.

Das dichte und breit gefächerte Programm mit nahezu 20 Einzelveranstaltungen in den Tagen und Wochen davor in diesem Jahr viele Neugierige mit offenen Ohren und Augen zu Wanderungen durch die Stadt verführen – von einem musikalischen Ereignis zum nächsten, von einem romanischen Bauwerk zum anderen.

Der Romanische Sommer war und ist auch ein Fest der Musiker. Viele Ensembles und Solisten hatten immer wieder Gelegenheit, ihre aktuellen Programmanliegen für unser Publikum zu realisieren. Inzwischen sind sie gute Bekannte - allen voran der WDR  Rundfunkchor, einer der weltbesten Rundfunkchöre, in diesem Jahr mit einem von seinem Leiter Rupert Huber speziell auf den Raum komponierten Programm.

Hervorragenden Ensembles aus der Kölner Region gilt bis heute unsere besondere Aufmerksamkeit. Einige von ihnen haben inzwischen so richtig „Karriere“ gemacht, wie etwa das Ensemble Cantus Cölln, das  gemeinsam mit seinem Gründer und künstlerischen Leiter Konrad Junghänel sein erstes öffentliches Konzert im Rahmen des Romanischen Sommers 1989 gab. Auch in diesem Jahr ist Cantus Cölln wieder dabei, wie auch andere Kölner „Stars“ wie Christoph Spering mit seinem Chorus Musicus, Peter Neumann mit seinem Kölner Kammerchor, Roland Wilson mit Musica Fiata oder Maria Jonas, die sich bereits im ersten Romanischen Sommer 1988 als experimentierfreudige Sängerin erprobte und seither viele offene Projekte um das Kapitel liturgische Musik entscheidend mit gestaltet hat.

In diesem Jahr ist sie Ideengeberin für die Klangwerkstatt im neuen KOLUMBA Kunstmuseum, das der Schweizer Architekt Peter Zumthor über der ältesten romanischen Pfarrkirche in Köln gebaut hat. Ein architektonisches Meisterwerk, das nun als Musikort ausgelotet wird.

Die menschliche Stimme in all ihren Formungen war in den 20 Jahren Romanischer Sommer der häufigste Bezugspunkt bei Programmüberlegungen. Gesang und sakraler Raum, das leuchtet in der Regel ein, wie natürlich auch Musik für die Orgel, der eine eigene Reihe mit hervorragenden Kölner Organisten gewidmet ist. Andere Instrumente und vor allem Tasteninstrumente können nur unter bestimmten Voraussetzungen Gegenstand unserer Programmüberlegungen sein. Nahezu wagemutig nimmt sich daher die nächtliche Schubertstunde in St. Cäcilien aus – eine Romanischer Sommer-Premiere mit dem Kölner Hammerklaviervirtuosen Andreas Staier.

Zur Mitwirkung eingeladen sind neben Künstlern aus der Region Gäste aus der großen weiten Musikwelt – Interpreten und auch Komponisten wie Pauline Oliveros, Toshio Hosokawa oder Wolfgang Rihm, neben denen ein neues Werk des Kölner Nachwuchskomponisten Mark Steinhäuser für die Kirche St. Peter zu bestehen hat.

Die gute und erfolgreiche Tradition, im Programm des Romanischen Sommers Dialogfenster mit musikalischen Erscheinungsformen anderer Kulturen einzubauen, wird in diesem Jahr mit einem Japan Schwerpunkt fortgesetzt – in der Romanischen Nacht, aber auch in Projekten, die neben Konzerten in den sakralen Räumen das Wahrnehmungsspektrum bereichern:

Klanginstallationen japanischer Künstler in der Brückenmusik und vor allem „oto date Cologne 2008“ von Akio Suzuki - 12 Klangpunkte an den romanischen Kirchen, die bereits ab 31. Mai im Vorfeld der Konzertreihe erwandert werden können, sozusagen als Einstimmung zum Musikprogramm ab 22.

Romanischer Sommer Köln 2008: wandern durch architektonische Schmuckstücke romanischer Baukunst, gefüllt mit musikalischem Leben aus aller Welt. Ein vielfältiges Programm!

Wir freuen uns darauf, mit Ihnen unser Jubiläum feiern zu können!

Renate Liesmann-Baum, Künstlerische Leitung

 

Herzliche Glückwünsche, dem Romanischen Sommer Köln!

Seit 20 Jahren stellt diese einzigartige Veranstaltung klingende Zusammenhänge her zwischen entfernten Musikkulturen und –epochen, bricht traditionelle Hörmuster auf, wagt Klangexperimente und vergisst dabei nie den Genuss an der Musik! Allesamt Ansätze und Ziele, die auch einem Kulturradio wie WDR 3 gut anstehen kein Wunder also, dass wir von Anfang an und bis heute dabei sind!

 

Für die Moderatoren und Programmgestalter von WDR 3 bietet der Romanische Sommer eine besondere Herausforderung, die einzigartige Atmosphäre der romanischen Kirchen Kölns und das spezifische Konzept der musikalischen Genremischung sowohl technisch als auch dramaturgisch stimmig in das Medium Radio zu übertragen.

 

WDR 3 vermittelt den Romanischen Sommer und damit den Klangraum der Romanischen Kirchen Kölns landesweit über UKW und via Satellit und Internet auch weltweit. In diesem Jahr ist WDR 3 live beim feierlichen Eröffnungskonzert mit Wolfgang Rihms „Vigilia“ am 22. Juni dabei und – „wie immer“ – bei der Romanischen Nacht am 27. Juni, die von WDR 3 mitgestaltet und live von 20.00 Uhr bis 2.00 Uhr in der früh ausgestrahlt wird. Viele weitere Konzerte werden in den nachfolgenden Wochen in der WDR 3 Konzertstrecke ab 20.05 Uhr zu hören sein.

 

Anregende musikalische Erlebnisse beim 20. Romanischen Sommer wünsche ich allen BesucherInnen vor Ort in Köln und allen ZuhörerInnen am Radio sowie im Internet weltweit!

 

Prof. Karl Karst, Programmchef WDR 3