DO 07.06

Donnerstag

07. Juni 2018


13
Uhr

MUSEUM SCHNÜTGEN / ST. CÄCILIEN

Romanische Mittagspause – Anbetung und Exempel
Buddhistische Shômyô-Gesänge und Balladen aus Japan

Junko Ueda, Gesang und Satsumabiwa (Laute)

WDR-Mitschnitt (Sendetermin voraussichtlich 11.07.2018)

Die buddhistischen Shômyô-Gesänge der Tendai-Schule und Balladen mit Lautenbegleitung aus aus dem fernöstlichen  Kulturkreis schaffen eine ganz eigene Klangatmosphäre, die besonders gut korrespondiert mit den lichtvollen musealen Räumlichkeiten in St. Cäcilien. Was der Gregorianische Choral für die abendländische, das ist der buddhistische Shômyô-Gesang für die japanische Musik: Grundlage und Ausgangspunkt für alle später entstandenen vokalen Stile und Formen. In den Liturgie der im 9. Jahrhundert gegründeten Tendai-Schule kommen unterschiedliche solistische und chorische Gesangsformen zum Einsatz, die den heiligen Sutrentexten bei Andacht und Meditation, Lobpreis und Bekenntnis einen jeweils adäquaten klanglichen Ausdruck verleihen. Junko Ueda stellt zwei dieser Gesänge vor: »Sange«, einen zentralen Gesang aus dem einleitenden Weiheritual, bei dem das zugrundeliegende Gebet Silbe für Silbe in langsamstem Tempo intoniert wird, sowie »Kujô-Shakujô«, ein liedhaftes, strophisch angelegtes Glaubensbekenntins in neun Abschnitten, das mit dem Schütteln des heiligen Rasselstabs Shakujô bekräftigt wird.

IN ZUSAMMENARBEIT MIT DEM JAPANISCHEN KULTURINSTITUT (The JAPAN FOUNDATION)

VVK 15 € / ermässigt 10 €

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Foto: Junko Ueda © Studio E


10-22
Uhr

museum schnütgen / st. cäcilien / GARTEN
Vernissage: On Air, RE-INSTALLATION, Köln 2018/1984 
Elektrisches Kabel, elektro-magnetische hörwürfel, zehnkanalige komposition

(Ausstellungsdauer Di, 05.06. bis So, 01.07.2018)

Christina Kubisch – ON AIR

Im Garten des Museum Schnütgen durchziehen grün-gelbe Elektrokabel wie Schlingpflanzen die Zweige der langen Buchenhecke, direkt über der langen Sitzbank, die zum Verweilen und Hören einlädt. Die Klanginstallation „On Air“ ist eine Arbeit mit einer Übertragungstechnik, die Kubisch Anfang der 80er Jahre speziell entwickelt hat. Kleine modifizierte Telefonverstärker, eingebaut in ein kubisches Gehäuse, übertragen eine zehnkanalige elektro-akustische Komposition über ein System von im Raum verspannten Kupferkabeln, die einen visuellen und gleichzeitig akustischen Raum bilden. Die Würfel können entweder direkt ans Ohr gehalten oder auch mit den Händen zwischen den Kabelfeldern bewegt werden. Je nach Nähe zu den induktiven Kabelschleifen und eigenen Bewegungen ergeben sich immer neue Überlagerungen von Klängen, selbst eine minimale Körperbewegung erzeugt unterschiedliche Klangfolgen. Besucher/innen werden zu ein einem „Mixer“, denn Stücke lassen sich individuell zusammenstellen, kompositorische Parameter wie Klangdichte, -farbe und -lautstärke selbst bestimmen – atmosphärisch zudem beeinflusst von Wetter, Umweltgeräuschen und Verweildauer im Garten, die ganz individuelle Klangzeit-Komposition-Intervalle erzeugen.

Für die Arbeit im Garten des Museums wurden die Hörwürfel nach 34 Jahren neu gebaut und erstmals seit 1984 wieder eingesetzt. Viele Arbeiten, die mit der Hörwürfel-Technik entstanden, beinhalten Naturklänge. „On Air“ lässt in dieser Re-Installation ausschließlich verschiedenste Vogelstimmen hörbar werden. Die grün-gelben Elektrokabel, die schlingpflanzenartig den Garten durchziehen, laden zum Verweilen und Hören ein, denn jede der zehn Kabelspulen enthält andere Vogelgesänge, die sich bei Entlanggehen mit den Hörwürfeln mischen. Einige dieser Stimmen mögen so fremd und unbekannt erscheinen, dass man sie für künstliche Konstrukte halten könnte. Was ist echt, was ist falsch? Echte Vögel sind im Museumsgarten selten zu hören, dafür mischen sich als Begleitung zu den Vogelstimmen die leisen Stromklänge der vorbeifahrenden Straßenbahnen, die ebenfalls von den Magneten der Hörwürfel empfangen werden.

Christina Kubisch gehört zu ersten Generation der Klangkünstlerinnen. Die ausgebildete Komponistin hat zur Realisierung ihrer Installation Techniken wie die elektromagnetische Induktion künstlerisch weiterentwickelt. Das System der elektromagnetischen Induktion, das Chistina Kubisch ständig technisch und künstlerisch weiterentwickelt hat, wurde zum Ausgangspunk für ihre Klanginstallationen, die seit 1980 in Europa, Asien, Nord- und Südamerika und Australien realisiert wurden. Seit 1986 tritt in ihren Arbeiten das Licht als gestalterisches Element zur Arbeit mit Klang hinzu. 

In Zusammenarbeit mit der Klangkunstreihe soundwaves 2017-18, kuratiert von Georg Dietzler (www.gerngesehen.de) . Dank allen Förderern: Musikfonds e.v. mit projektmitteln der beauftragten der bundesregierung für kultur und medien, kunststiftung NRW, kulturamt der stadt köln und den kooperationspartnern museum schnütgen und 30 jahre romanischer Sommer.

Eintritt: museumsticket inklusive Klanginstallation (Do, 07.06.2018 von 10-22 Uhr)

 
   
FOTO: Künstlerin Christina Kubisch bei der Ausstellungseröffnung im Museum Schnütgen/Garten und Hörwürfel   © Reinhard Doubrawa


18
Uhr

ST. KUNIBERT

Voix humaines et Voix célestes
Johann Sebastian Bach, Alexandre Guilmant, César Franck u.a. 

Gerhard Blum, Orgel

Marco Antonio Cavazzoni: O stella maris
François Couperin: Dialogue sur la Voix humaine – Récit de Tierce
J. S. Bach: „Allein Gott in der Höh sei Ehr“ BWV 663 Ι Fuge g-moll BWV 131a Ι
„Wer nur den lieben Gott lässt walten“ BWV 647
Josef Rheinberger: Cantilene
Alexandre Guilmant: Marche funèbre et chant séraphique
Louis Vierne: Lied
César Franck: Choral a-Moll

Die Orgel – mit ihren weiten Wegen zwischen der vom Organisten zu bespielenden Tastatur und den rein mechanisch mit Wind versorgten Pfeifen ist vielleicht mehr „Maschine“ als „Instrument“ – würde man mit dem „Singen“ wohl eher weniger in Verbindung bringen als etwa ein vom menschlichen Atem unmittelbar zum Klingen gebrachtes Blasinstrument.

Und doch sind die ältesten erhaltenen (z.T. schon aus dem späten Mittelalter datierenden) Orgelstücke, die übrigens zu den frühesten Instrumentalkompositionen überhaupt zählen, vielfach nichts anderes als Übertragungen von Vokalwerken; und auch zu Bachs Zeit war diese Praxis gelegentlich noch anzutreffen: Von einigen der Bachschen Vokalsätze liegen zeitgenössische Orgeltranskriptionen vor.

Wenn Bach seiner Choralbearbeitung BWV 663 über „Allein Gott in der Höh sei Ehr“ die Vortragsanweisung „Cantabile“ beigegeben hat, so spiegelt sich darin das Bemühen der Komponisten wider, die Orgel immer wieder auch „zum Singen“ bringen zu wollen. Erst recht gilt dies für die Zeit der Romantik, in der Werküberschriften wie „Lied“, „Cantilene“ etc. „gesangliche“ Assoziationen wecken sollen.

Und schließlich kennt der Orgelbau seit ältester Zeit Orgelregister, deren Klang schon als solcher die „menschliche Stimme“ nachzuahmen sucht (franz. „Voix humaine“; ital. „Voce umana“) – bevor dann aus den Kathedralorgeln des 19. Jh.s auch die „himmlischen Stimmen“ (franz. „Voix célestes“) ertönten, und zwar in äußerster Zartheit…

Dem Imperativ „Singet!“ vermag also durchaus auch die Orgel Folge zu leisten.

WDR-Mittschnitt (Sendetermin voraussichtlich 11.07.2018)

nur abendkasse 10 €, ermässigt 5 €


FOTO: Gerhard Blum  © Alexandra von fragstein